W(W)S Kalenderblatt vom 27.Juli
Stevie Nicks – Bella Donna

Mit „Bella Donna“ schuf Stevie Nicks mit der Veröffentlichung am 27. Juli 1981 ein zeitloses Pop-Rock-Meisterwerk, das ihre unverkennbare mystische Aura perfekt einfängt und ihre Unabhängigkeit von Fleetwood Mac triumphant unter Beweis stellte.
Die Magie der Stimme und der Songs
Das Album lebt von Nicks‘ rauchhafter, intensiver Reibeisenstimme, die zwischen verletzlicher Zartheit und wilder Kraft oszilliert. Stücke wie der energiegeladene Klassiker „Edge of Seventeen“ oder das atmosphärische Titelstück „Bella Donna“ zeigen eine Künstlerin auf dem absoluten Höhepunkt ihres schöpferischen Schaffens. Die Produktion von Jimmy Iovine klingt organisch, warm und lässt den Songs den nötigen Raum zum Atmen, ohne an Druck zu verlieren.
Große Duette und emotionale Tiefe
Besonders glänzt das Album durch seine legendären Kooperationen. „Stop Draggin‘ My Heart Around“ mit Tom Petty and the Heartbreakers bringt einen wunderbaren, rotzigen Rock-Anteil hinein, während das gefühlvolle Duett „Leather and Lace“ mit Don Henley eine intime, fast schwebende Wärme verströmt. Auch ruhigere Momente wie „After the Glitter Fades“ berühren durch ihre ehrliche Melancholie.
Fazit
„Bella Donna“ ist weit mehr als nur ein erfolgreiches Debüt – es ist ein magisches, kraftvolles Statement voller Seele und wiedererkennbarem Charakter, das bis heute nichts von seinem Zauber verloren hat.
W(W)S Kalenderblatt vom 28.Juni
Auf The Harrow & The Harvest erschaffen Gillian Welch und David Rawlings ein minimalistisches Meisterwerk der Americana-Musik. Die achtjährige Pause hat sich gelohnt und am 28. Juni 2011 wurde dieses Album veröffentlicht. Nur mit zwei Stimmen und akustischen Instrumenten eingespielt, besticht das Album durch tiefe Melancholie, packendes Songwriting und eine rohe, intime Acoustic-Produktion.

Das Album The Harrow & The Harvest ist eine Meisterklasse in Sachen Reduktion. Völlig zu Recht wird das Album für seine schlichte Schönheit gelobt.
- Intimität: Die Kompositionen leben von der perfekten, fast telepathischen Harmonie zwischen Welchs Gesang und Rawlings filigranem Gitarrenspiel.
- Zeitlosigkeit: Obwohl es sich um moderne Stücke handelt, klingen Lieder wie Scarlet Town oder Dark Turn of Mind wie jahrhundertealte, überlieferte Folk-Manuskripte.
- Dunkle, reife Themen: Textlich geht es um harte Zeiten, Einsamkeit und das unausweichliche Schicksal, vorgetragen ohne Kitsch, aber mit einer tiefen emotionalen Wahrheit.
W(W)S Kalenderblatt vom 30. Mai
The Rolling Stones – (England’s Newest Hit Makers)(US) – The Rolling Stones UK
The Rolling Stones (England’s Newest Hit Makers) ist ein faszinierendes Dokument der Popgeschichte, das den rohen, ungeschliffenen Beginn einer legendären Band festhält. Das am (30. Mai 1964) erschienene Debütalbum zeigt die Stones noch nicht als Songwriter-Genies, sondern als enthusiastische Botschafter des amerikanischen Blues und R&B.

Stärken des Albums
- Pure Energie:
- Die Aufnahmen sprühen vor jugendlicher Aggressivität und Spielfreude.
- Großartige Cover-Versionen:
- Tracks wie „Not Fade Away“ (Buddy Holly) oder „I’m a King Bee“ besitzen Schmutz und Sexappeal.
- Starke Rhythmusgruppe:
- Brian Jones an der Mundharmonika und Keith Richards an der Gitarre harmonieren perfekt.
- Glaubwürdigkeit:
- Im Gegensatz zu glatten Popbands jener Zeit klingt diese Platte roh und echt.
Schwächen des Albums
- Kaum Eigenmaterial: Mit „Tell Me“ gibt es nur eine echte Jagger/Richards-Ballade, die noch etwas unausgereift wirkt.
- Mangelnde Originalität: Viele Songs sind musikalisch sehr nah an den Originalen ihrer Blues-Idole.
- Dünne Produktion: Der Sound ist stellenweise sehr blechern und simpel abgemischt.
Fazit:
Man kann das Album als Beginn einer Zeitreise betrachten. Es ist kein kreatives Meisterwerk wie Exile On Main Street, aber ein unverzichtbares, energiegeladenes Fundament. Es bewies 1964 eindrucksvoll, dass weißer Rock ’n‘ Roll aus England den tiefen Schmerz des US-Blues adoptieren kann.
W(W)S Kalenderblatt vom 24. Mai
Van Halen – OU812
OU812 (24. Mai 1988) ist ein gutes Beispiel für den gutgelaunten Stadion-Rock der späten 80er. Mit Sammy Hagar am Mikrofon poliert die Band ihren Sound zu glattem, radiotauglichem Pop-Rock, der zwar etwas den alten Biss vermissen lässt, aber durch enorme Spielfreude und Mitsing-Refrains überzeugt.

Stärken & Schwächen
- Eddie Van Halen: Der unbestrittene Star. Er lässt seine Gitarre fliegen, Tapping-Soli und treibende Riffs sitzen perfekt.
- Die Hagar-Ära: Die Dynamik mit Sammy Hagar ist deutlich radiotauglicher und melodischer als zu Zeiten von David Lee Roth. Fans der frühen Tage könnten den rauen Humor jedoch vermissen.
- Keyboards & Synthesizer: Die Platte setzt stark auf Synthie-Pop-Elemente, was stellenweise etwas in Richtung Soft-Rock abdriftet.
Anspieltipps
- When It’s Love: Eine wunderschön schmalzige Rock-Ballade mit einem enormen Stadion-Refrain.
- Source of Infection: Hier geht es endlich gitarrenlastiger und schneller zur Sache – genau das, was man erwartet.
Fazit: Ein solides, typisches 80er-Jahre-Album. Perfekt für Fans von melodiösem Hard-Rock, aber keine revolutionäre Meisterleistung im Vergleich zu den alten Klassikern.
Maroon 5 – It Won’t Be Soon Before Long
W(W)S Kalenderblatt vom 22. Mai

- Tanzbarer Sound: Hits wie Makes Me Wonder oder Little Of Your Time sind extrem funky, treibend und perfekt für den Sommer.
- Abwechslung: Neben den Up-Tempo-Nummern gibt es starke, emotionale Balladen wie Won’t Go Home Without You oder Back At Your Door.
- Reifere Produktion: Der Wechsel zu einer glatteren, hochproduzierten Pop-Ästhetik steht der Band hervorragend.
Frank Zappa – Shut Up ’n Play Yer Guitar
W(W)S Kalenderblatt vom 11. Mai
Wer bei diesem Album melodiöse Songs, den typischen zynischen Gesang oder ausgefeilte Songstrukturen à la Joe’s Garage erwartet, wird bitter enttäuscht. Frank Zappa hat dieses Werk – bestehend aus den drei ursprünglichen Vinyl-Platten Shut Up ’n Play Yer Guitar, Shut Up ’n Play Yer Guitar Some More und Return of the Son of Shut Up ’n Play Yer Guitar – genau für diejenigen gemacht, die seine improvisatorischen Fähigkeiten bewundern.

Der Sound: Einblick in den Kopf des Meisters
Es handelt sich um eine reine Instrumental-Sammlung, die fast ausschließlich aus Live-Gitarrensoli besteht, welche Zappa aus Shows zwischen 1977 und 1980 herausgeschnitten hat. Was diese Sammlung so fair macht, ist, dass sie keine „best-of“-Soloshow ist, sondern oft rohe, komplexe und manchmal sperrige Momente zeigt.
- Pro: Die Soli sind absolut virtuos. Zappa war ein Meister darin, atonale Passagen mit bluesigen Phrasen zu mischen. Er spielte nicht einfach schnell; er „komponierte“ in Echtzeit. Die Backing-Band (oft mit Vinnie Colaiuta am Schlagzeug) liefert ein unglaublich dichtes, dynamisches Fundament.
- Contra: Für Gelegenheits-Hörer ist das Werk eine harte Nuss. Die Struktur der Stücke ist oft frei und erfordert hohe Konzentration. Manche Soli wirken ohne den Kontext des Songs, aus dem sie stammen, etwas losgelöst.
Warum man es hören sollte (oder nicht)
- Für Gitarristen & Musiker: Ein absolutes Pflichtprogramm. Es ist eine der besten Dokumentationen von Zappas einzigartigem, oft unorthodoxem Gitarrenstil.
- Für Zappa-Fans: Ein Muss, um die „ernste“ Seite des Komponisten zu verstehen.
- Für Zappa-Einsteiger: Nicht der richtige Einstieg. Die drei Stunden Instrumentalmusik können überwältigend sein.
Mein Fazit
Shut Up ’n Play Yer Guitar ist ein musikalisches Denkmal. Es ist kompromisslos, intellektuell und dennoch emotional aufgeladen. Es ist der Beweis, dass Frank Zappa nicht nur ein genialer Songwriter und Satiriker war, sondern einer der eigenständigsten und kreativsten Gitarristen der Rockgeschichte.
Wertung: 9/10 für Zappa-Liebhaber, 5/10 für Rock-Einsteiger.
Duran Duran – Rio
W(W)S Kalenderblatt vom 10. Mai
„Rio“ von Duran Duran (10.05.1982) ist weit mehr als nur ein 80er-Jahre-Album – es ist ein absolut zeitloser Meilenstein der Popmusik, der den Sound dieser Ära maßgeblich geprägt hat.

Hier ist meine persönliche Rezension und Einschätzung des Albums:
- Der Sound: Eine perfekte Mischung
Das Album bietet eine geniale Symbiose aus funkelndem Synth-Pop, der New-Romantic-Bewegung und echtem Rock-Einschlag. Während Nick Rhodes mit schrägen, experimentellen Synthesizer-Sounds experimentierte (z.B. der Anfang von „Rio“), sorgte Andy Taylor für harte Gitarrenriffs. Das klingt auch heute noch modern und nicht angestaubt. - Keine Filler, nur Killer
Es ist extrem selten, dass ein Album fast nur Hits enthält. „Rio“ schafft das fast:- Rio & Hungry Like The Wolf: Treibende, glamouröse Pop-Hymnen.
- Save A Prayer: Melancholisch, fast schon cineastisch – für viele der beste Song der Band.
- The Chauffeur: Ein düsterer, absolut entrückender Abschluss, der die düstere Seite der Band zeigt.
- Die Stimmung
Das Album versprüht eine Art „schillernden Hedonismus“. Man fühlt sich in die Welt von schicken Musikvideos, Designerkleidung und endlosen Partys versetzt – eine Flucht aus dem Alltag, passend zur Ästhetik des frühen MTV-Zeitalters. - Kritik / Fazit
Kritiker bemängelten damals manchmal die Künstlichkeit, aber genau diese Hochglanz-Produktion ist die Stärke des Albums. Es ist das ultimative Album der Band, auf dem sie ihren Stil gefunden und perfektioniert haben.
Bewertung: 10/10 – Ein absolutes Muss für jede Musiksammlung.
Kurz gesagt: „Rio“ ist stilvoll, energiegeladen, melancholisch und glamourös – der Sound der 80er in seiner besten Form.
Goldfrapp – Black Cherry
W(W)S Kalenderblatt vom 06. Mai
Black Cherry von Goldfrapp markierte 2003 einen radikalen Wendepunkt:
Weg vom verträumten, orchestralen Sound des Debüts Felt Mountain, hin zu einer dreckigen, sexy Mischung aus Glam-Rock, Techno und kühlem Elektro-Pop.

Die wichtigsten Aspekte des Albums:
- Der Sound-Wandel: Statt Jodel-Gesang und Streichern dominieren hier aggressive, verzerrte Synthesizer und treibende Beats. Das Album ist deutlich club-orientierter und weniger „cinematisch“ als der Vorgänger.
- Die Stimmung: Die Musik wirkt gleichzeitig kälter, aber auch deutlich provokanter und erotischer geladen. Kritiker beschreiben es oft als eine Mischung aus dem Synthesizer-Sound von Giorgio Moroder und der schmutzigen Energie von Punk/Industial.
- Anspieltipps:
- „Train“ und „Strict Machine“: Die großen Dancefloor-Hymnen mit stampfenden Bässen.
- „Black Cherry“: Der Titelsong bildet die Brücke zum alten Stil – er ist ruhiger und melancholischer, aber dennoch rein elektronisch gehalten.
- „Twist“: Ein Beispiel für den neuen, „dreckigen“ Unterton des Albums.
- Fazit: Goldfrapp haben sich mit diesem Album neu erfunden. Es ist ein „grober Klotz“ im Vergleich zum „Kristall“ des Debüts – mutig, tanzbar und ungeschönt. Fans der ersten Stunde waren teilweise schockiert, doch das Album sicherte dem Duo seinen Platz in der Pop-Avantgarde
Melissa Etheridge – Melissa Etheridge
W(W)S Kalenderblatt vom 02. Mai
Melissa Etheridges gleichnamiges Debütalbum „Melissa Etheridge“ veröffentlicht am 02.05. 1988 ist ein gelungenes Album des Roots-Rock, das durch raue, ehrliche Emotionen, bluesige Gitarren und ihre charakteristische Kratzstimme besticht. Es etablierte sie als kompromisslose Künstlerin, angetrieben durch Hits wie „Bring Me Some Water“ und „Like The Way I Do“, und gilt als eines der besten Debütalben der 1980er Jahre.

Rezension & Merkmale:
- Sound & Stil: Das Album ist ein Gegenentwurf zum stark produzierten Pop der späten 80er, mit minimalistischen, teils live im Studio eingespielten Arrangements. Der Fokus liegt auf akustischen Gitarren, bluesigem Rock und direktem Ausdruck.
- Themen: Die Texte sind hochgradig intim, emotional und handeln von komplizierten Beziehungen, unerwiderter Liebe und obsessiver Leidenschaft. Es wirkt, als würde man in ihrem persönlichen Tagebuch lesen.
- Highlight-Songs:
- „Bring Me Some Water“: Ein dramatischer, hitverdächtiger Song über Eifersucht.
- „Like The Way I Do“: Ein energetischer Track, der ihre stimmliche Power zeigt.
- „Precious Pain“: Ein folkiges, akustisches Stück.
- „Similar Features“: Ein starker Opener mit hypnotischem Rhythmus.
- Produktion: Der ehrliche Sound, oft nur mit Schlagzeug, Bass und Gitarre, unterstreicht die Authentizität.
- Fazit:
Melissa Etheridge ist ein essenzielles Album für Rock-Fans, das auf Amazon sehr positiv aufgenommen wurde. Es zeigt eine Künstlerin, die ihre Schwächen und Stärken offenbart. Die Deluxe Edition bietet zudem Live-Aufnahmen aus dem Roxy, die ihre Live-Qualitäten unterstreichen. Laut laut.de ist es der Beginn einer beeindruckenden Karriere mit Millionen verkaufter Alben. - Hintergrund:
Obwohl die Plattenfirma erste Aufnahmen als „zu weichgespült“ ablehnte, wurde das Album nach einer Überarbeitung zu einem großen Erfolg. Sie etablierte sich als Vorbild für eine Generation junger Frauen, die ihre rohe Energie schätzten.
