In Extremo / Tranquilo II

In Extremo – Tranquilo II ist weit mehr als ein simples „Unplugged“ Album. 16 Jahre nach dem ersten, vorwiegend live präsentierten Akustik-Ausflug beweist die Band, dass sie ihre eigenen Songs nicht einfach nur ohne Strom spielen, sondern sie völlig neu erfinden kann. Das Ergebnis ist eine 70-minütige Entschleunigung voller Spielfreude, die altbekannte Hymnen in einem völlig neuen Licht erstrahlen lässt.

Album-Eckdaten

  • Veröffentlichung: 23. Oktober 2026
  • Label: Universal Music
  • Umfang: 17 Songs (plus optionale Bonus-EP)
  • Stil: Akustischer Mittelalter-Rock mit Einflüssen aus Swing, Reggae, Ska und Klezmer

Das Licht (Die Stärken)

  • Kein bloßes Best-Of: Wer erwartet, dass In Extremo lediglich die E-Gitarren wegpackt und die Dudelsäcke lauter dreht, wird positiv überrascht. Die Band bricht die Songstrukturen radikal auf. Genremixe aus Rockabilly, Swing, Reggae und osteuropäischen Folk-Einflüssen verleihen den Klassikern eine unbeschwerte, fast intime Dynamik.
  • Exzellente Gastmusiker: Die instrumentelle Unterstützung durch Oliver „SaTyr“ Pade und Niel Mitra (Faun) sowie den Geiger Justin Ciuche fügt sich organisch in den Sound ein und sorgt für echte Aha-Momente.
  • Starke Gesangsduette: Die vokalen Beiträge von Doro Pesch bei „Feine Seele“ und Laura Fella bei „Liam“ harmonieren fantastisch mit Micha Rheins rauer, tiefer Stimme. Auch Monchi, Jan Gorkow und Max Bobzin von Feine Sahne Fischfilet) passen als Ostseekind wie die Faust aufs Auge zum Opener „Störtebeker“.
  • Neues Material mit Hit-Potenzial: Der einzige wirklich neue Track „Heute wird der Himmel brennen“ vereint melancholische Klezmer-Geigen mit einem gewohnt packenden Party-Refrain und gehört zu den absoluten Highlights.

Der Schatten (Kritikpunkte)

  • Nichts für Puristen: Wer In Extremo ausschließlich für ihre brachialen Metal-Riffs und lauten Tavernen-Lärm schätzt, könnte sich an den teilweise sehr sanften und verspielten Arrangements stoßen.
  • Konzeptüberladung beim Bonus: Auf der Deluxe-Version wirkt die sechsminütige XXL-Version von „Sternhagelvoller“ trotz einer beeindruckenden Riege an Szene-Gästen (u.a. Feuerschwanz, Subway to Sally, Versengold) über die Distanz etwas repetitiv – hier nutzt sich der Reiz des „Wer singt gerade?“ recht schnell ab.

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