Julian Cope – Peggy Suicide

W(W)S Kalenderblatt vom 22. April

Ein exzentrisches Meisterwerk zwischen Öko-Punk und Pop-Psychedelia (22.04.1991)

Nach dem kommerziellen Scheitern und den künstlerischen Kompromissen seines 1988er Albums My Nation Underground hätte Julian Cope leicht in der Versenkung verschwinden können. Stattdessen nutzte er die Pause für eine radikale Neuausrichtung. Das Ergebnis war 1991 Peggy Suicide, ein Doppelalbum, das oft als sein reifes Meisterwerk betrachtet wird – auch wenn „Reife“ bei einem Künstler, der sich gerne in Papier-und-Kleister-Köpfe kleidet, relativ ist.

Das Konzept: „Grüner“ Zorn
Peggy Suicide ist ein zutiefst politisches und ökologisches Konzeptalbum. Cope nutzt die Metapher „Peggy“ für die Erde, die durch die Last der Menschheit in den Selbstmord getrieben wird. Es gilt als eines der ersten „grünen“ Konzeptalben und ist eine wütende Abrechnung mit der Thatcher-Ära und dem rücksichtslosen Raubbau an der Natur (besonders deutlich im aggressiven „Leperskin“).

Musikalische Bandbreite: Ein gewagter Mix
Das Album ist eine ambitionierte Mischung aus verschiedenen Stilen:

  • Psychedelic Rock & Funk: Songs wie „Safesurfer“ zeigen Cope auf dem Höhepunkt seiner kreativen Kraft – ein epischer, achtminütiger Track, der oft als einer seiner besten bezeichnet wird.
  • Pop-Momente: Trotz des ernsten Themas bietet das Album Momente ätherischer Schönheit, wie „Beautiful Love“.
  • Rotziger Rock: Einflüsse, die an MC5 erinnern, sind in „Hung Up & Hanging On The Line“ spürbar.
  • Krautrock-Einflüsse: Motorik-Beats (Necropolis) und elektronische Experimente machen das Album abwechslungsreich.

Stärken & Kritik (Fairness-Check)

  • Pro: Das Album befreite Cope von kommerziellen Zwängen und erlaubte ihm, seine eklektische Vision voll auszuleben. Es ist eine mutige, kreative Leistung, die trotz ihrer Länge (Doppel-LP) fasziniert.
  • Contra: Für manche Hörer mag der Umfang von 19 Songs (in der Originalversion) zu anstrengend sein. Die Themen sind teils kryptisch, und Copes Exzentrik ist nicht für jeden zugänglich.

Fazit
Peggy Suicide ist ein „kleines Monster“ von einem Album, das sich lohnt, wenn man sich darauf einlässt. Es ist eine fantastische, erfinderische Platte, die beweist, dass Cope ein „Madman“ im positivsten Sinne ist – ein interessanter Musiker in einer Welt voller angepasster Künstler. Es ist der Wendepunkt in Copes Karriere weg vom Pop-Star hin zum eigenwilligen Musiker-Philosophen.

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