Nachdem John Mellencamp zuletzt 2018 sein Coveralbum »Other People’s Stuff« veröffentlichte, meldet sich der Heartland-Rocker 2022 wieder mit eigenem Material zurück aus dem Studio. »Strictly A One-Eyed Jack« heißt sein 25. Studioalbum, das er mit der ersten Single »Chasing Rainbows« ankündigte.
Außerdem veröffentlichte Mellencamp 2021 bereits einen Song mit Bruce Springsteen. »Wasted Days« ist nur eins von insgesamt drei Stücken, das die beiden Musiker gemeinsam für »Strictly A One-Eyed Jack« aufgenommen haben, zusammen mit »Did You Say Such A Thing« und »A Life Full Of Rain«.
Mellencamp sagte in einem Radiointerview über den Boss: »Ich würde Bruce jetzt als einen meiner besten Freunde im Musikgeschäft betrachten. Bruce und ich reden ziemlich viel miteinander. Ich denke, er und ich verstehen uns, weil wir ähnliche Erfahrungen gemacht haben, als wir in einer kleinen Stadt aufwuchsen. Anfänge, Big Band-Leader … Er ist jetzt wie mein großer Bruder.«
Springsteen ebenfalls im Radio: »Ich habe an drei Songs auf Johns Album mitgearbeitet und einige Zeit mit ihm in Indiana verbracht. Ich liebe John sehr. Er ist ein großartiger Songwriter und ich bin ihm sehr nahegekommen und hatte viel Spaß mit ihm. Ich habe ein bisschen auf seiner Platte gesungen.«
Insgesamt warten zwölf Songs auf »Strictly A One-Eyed Jack«, die alle von Mellencamp geschrieben und in seinen Belmont Mall Studios in Indiana aufgenommen und selbst produziert wurden. Musikalische Unterstützung bekam der Sänger dort, neben Springsteen, von einigen langjährigen Bandmitgliedern wie Andy York, Dane Clark, Mike Wanchic und Troye Kinnett. Das Mixing übernahm der Grammy-Preisträger David Leonard. Außerdem hat John Mellencamp sein künstlerisches Talent scheinbar vererbt: Sohn Speck Mellencamp hat das Porträt seines Vaters beigesteuert, das das Cover des neuen Albums ziert.
Hasaans Atlantic-Aufnahmen von 1965, restauriert von lange verlorenen Acetat-Kopien der Sessions.
„Er hatte Ideen so tief wie das Meer. Ich meine, ich habe noch nie jemanden so spielen hören, selbst heute nicht.“ – Odean Pope – Tenorsaxofonist
„Der Pianist Hasaan Ibn Ali, den der Saxophonist Odean Pope als „den fortschrittlichsten Spieler, der sich jemals (in Philadelphia) entwickelt hat“ bezeichnet, hatte in den frühen 1950er Jahren intensiv mit John Coltrane geübt und wird von Pope und anderen als der Einfluss hinter Coltranes so genannten „sheets of sound“ sowie dem harmonischen Ansatz angesehen, der Coltranes durchatmeten „Giant Steps“ zugrunde lag, und auch, zusammen mit Earl Bostic, als eines der beiden Vorbilder hinter Coltranes strenger Arbeitsmoral. Dennoch wurde er nur selten eingesetzt, selbst von Musikern, die sein Spiel und sein Wissen respektierten, so dass er kaum eine Chance hatte, sich ein Publikum zu erarbeiten. Wenn er sich im Woodbine, einem After-Hour-Club in Philadelphia, ans Klavier setzte, verließen alle Bläser den Platz, weil sie nicht mit ihm spielen konnten, so fremd waren ihnen seine harmonischen Konzepte.“ (aus den Liner Notes)
1964 überzeugte der Schlagzeuger/Komponist Max Roach Atlantic Records, ihn mit dem Produzenten Nusuhi Ertegun an der Spitze aufzunehmen. Die Aufnahmen fanden im Dezember 1964 statt und das daraus resultierende Album „The Max Roach Trio Featuring The Legendary Hasaan“ wurde drei Monate später veröffentlicht. Atlantic lud Ali ein, im August und September 1965 erneut Aufnahmen zu machen, aber bevor die Mischsessions das aufgenommene Material in ein veröffentlichungsfähiges Album verwandeln konnten, war Ali wegen Drogenbesitzes inhaftiert worden. Atlantic legte das Album auf Eis. Dreizehn Jahre später ging das Band in einem Lagerhaus von Atlantic Records in Long Branch, New Jersey, in Flammen auf. Jahrelang kursierte das Gerücht, es gäbe eine Kopie der Sessions, aber Versuche, sie ausfindig zu machen, ergaben nie eine Quelle… bis jetzt.
Restauriert und gemastert vom Grammy®-gekrönten Toningenieur Michael Graves von einer Bandkopie lange verschollener Referenz-Acetate der Sessions und mit Notizen von Produzent Alan Sukoenig und Autor/Pianist/Lehrer Lewis Porter, ist Omnivore Recordings stolz darauf, dieses lange verloren geglaubte Stück Jazzgeschichte zu präsentieren. Das Projekt, das von Alan Sukoenig und dem für den Grammy® Award nominierten Produzenten Patrick Milligan sowie der für den Grammy® Award nominierten Produzentin Cheryl Pawelski co-produziert wurde, enthält die sieben überlebenden Tracks aus den Album-Sessions sowie drei überlebende alternative Takes. Die Hülle enthält Fotos vom Dezember 1964 des bekannten Fotografen Larry Fink, der Ali als „den Prokofiev des Jazz“ bezeichnet.
Das Personal der Sessions vom 23. August und 7. September 1965, die in den Atlantic Studios in New York City stattfanden, bestand aus Hasaan Ibn Ali, Klavier; Odean Pope, Tenorsaxophon; Art Davis, Bass und Kalil Madi, Schlagzeug und alle werden in den Liner Notes vorgestellt.
Zwei Jahre nach seiner Kollaboration mit Saxofonist Bill Evans meldet sich Robben Ford 2021 wieder im Alleingang zurück.
Das neue Album des Gitarristen heißt »Pure« und macht seinem Namen alle Ehre.
Robben Ford ist zurück. Der US-amerikanische Blues-, Jazz- und Rockgitarrist stellt 2021 sein neues Album „Pure“ vor. Es handelt sich dabei um das erste reine Instrumentalalbum des Musikers seit 24 Jahren, seit „Tiger Walk“ aus 1997.
Robben Ford über sein neues Album: „›Pure‹ ist anders als alle anderen Aufnahmen, die ich je gemacht habe. Ich war schon immer ein Traditionalist, was die Arbeit im Studio angeht: eine großartige Band in einen großartigen Raum mit einem großartigen Tontechniker bringen, die Songs drei bis fünf Tage lang aufnehmen, alle notwendigen Overdubs machen, dann mischen und mastern.“
Und weiter heißt es „Auf diese Weise habe ich auch ›Pure‹ begonnen. Aber irgendwie fühlte sich der Einfluss der anderen Musiker auf die Musik, der unvermeidlich ist, immer ein wenig daneben an. Es wurde mir klar, dass ich diese neue Musik von Grund auf selbst gestalten musste. Mein Tontechniker und Co-Produzent Casey Wasner war dabei von unschätzbarem Wert, und der größte Teil der Musik, die Sie auf dieser Aufnahme hören werden, wurde von uns beiden gemeinsam in seinem Studio Purple House gemacht: Wir haben der Musik die richtige Form und das richtige Gefühl gegeben und dann Bass und Schlagzeug nachträglich hinzugefügt.“
Das Ergebnis umfasst neun neue Songs, die eine „puren“ Robben Ford zeigen – einen Gitarrenvirtuosen, der über ein enormes musikalisches Vokabular aus Jazz, Blues und Rock verfügt.
„Pure“ ist ein Album geworden, welches nahtlos souligen Westküsten-Vibe mit bluesigem Hardrock verbindet. Obendrein bietet „Pure“ außergewöhnliche Gastmusiker wie Nate Smith, Toss Panos, Shannon Forest und viele mehr.
„Da ich auf diese Weise gearbeitet habe, habe ich das Gefühl, dass ›Pure‹ vielleicht die vollständigste Darstellung meiner persönlichen musikalischen Vision ist. Frühere Aufnahmen waren Produkte einer Entwicklungsphase, die zu der hier vorgestellten Musik führten. Es war sehr befriedigend, meine eigenen Kompositionen so gründlich geformt zu haben und etwas abzuliefern, das so ganz und gar mir gehört.“, so der Gitarrist.
Wie sein neues Album klingt, verriet Ford im Mai mit der ersten Single „Rock Beer…8 Cents“. „Pure“ gibt es in drei verschiedenfarbigen, limitierten Vinyl-Varianten, auf klassisch-schwarzem Vinyl, Yellow Vinyl oder Clear Vinyl, sowie als CD im Digipak.
Martha Wainwright ist wieder am Start. Die betörende Performerin und Songwriterin meldet sich mit „Love Will Be Reborn“ zurück, ihrem ersten neuen Album seit fünf Jahren.
Es ist ihr erstes Album seit dem 2016 erschienenen „Goodnight City“ und das erste seit dem 2012 erschienenen, hochgelobten „Come Home To Mama“, das ausschließlich eigenes Material enthält. Alle elf Songs auf ‚Love Will Be Reborn‘ sind von Martha geschrieben. Den ersten Song, der dann auch zum Titeltrack wurde, schrieb sie vor einigen Jahren in einer für sie persönlich sehr dunklen Zeit.
‚Love Will Be Reborn‘ erscheint heute und spielt auf den Schmerz der letzten Jahre an, während er gleichzeitig ein Gefühl von Optimismus für die Zukunft einfängt. Mit ihrer wundersamen, charakteristischen Stimme umspielt sie den Herzschmerz mit schwindelerregender Wirkung.
„Ich habe den Song innerhalb von zehn oder fünfzehn Minuten komplett geschrieben“, gibt sie zu. Martha begann, den Song live zu spielen, bevor sie das Album aufnahm, und er wurde so etwas wie eine Hymne, die ihr Hoffnung gab, als sie sie am meisten brauchte. Der Song und das gesamte Album wurden von Pierre Marchand produziert, der für seine Arbeit mit Rufus Wainwright bei „Poses“, den McGarrigle’s bei „Heartbeats Accelerating“ und einem Großteil von Sarah McLaughlins Katalog aus den 90ern bekannt ist.
Aufgenommen wurde das Album in Marthas Heimatstadt Montreal, im Keller des Cafés Ursa, das auch als Studio diente, und in den PM Studios. Martha spielt Gitarre und Klavier und holte sich die Hilfe der Torontoer Musiker Thom Gill (Gitarren, Keys, Back-ups) Phil Melanson (Schlagzeug, Percussion) und Josh Cole (Bass). Pierre Marchand spielt Keyboards auf ‚Love Will Be Reborn‘ sowie zwei weiteren Tracks, während Morgan Moore auf mehreren Songs Bass spielt.
– Die Stuttgarter Sängerin Laura Kipp zusammen mit Bassist Jens Loh und Pianist Cornelius Claudio Kreusch
– „Diese junge Frau…ist hervorragend, und ihr alle werdet in Zukunft noch von ihr hören“ (Quincy Jones)
– Von Cornelius Claudio Kreusch produziert
Dem Urteil eines Mannes, der nicht nur die Geschichte des Jazz auf wie hinter der Bühne mitgeprägt, sondern als Produzent auch Michael Jackson zum „King of Pop“ gemacht hat, sollte man vertrauen: „Diese junge Frau braucht sich um ihre Karriere nicht zu sorgen. Sie ist hervorragend, und ihr alle werdet in Zukunft noch von ihr hören“ – sagt Quincy Jones über Laura. Was 2017, als sich die beiden bei den Stuttgarter Jazz Open kennenlernten, noch eine Prophezeihung für die damals 21-jährige Sängerin Laura Kipp war, bestätigt sich jetzt. Mit ihrem Debütalbum „Quiet Land“ unter dem Signum LAURA legt sie mit einer Kombination von Attributen ihr Debut-Album vor: Jugendliche Frische trifft auf erstaunliche Reife, Charisma auf Understatement, die Freiheit und Intellektualität des Jazz auf die unmittelbar emotionale Kraft von Pop, Soul und Chanson.
Die Sängerin schlägt den Bogen vom heimischen Schwabenland bis nach Paris, New York oder Los Angeles, von strahlenden Songwriter-Balladen bis zu taffem Vokalese-Jazz, von souligem Blues bis zu streichergesättigtem Hollywood-Sound. Und sie hat bereits die einzigartige Kraft des Jazz verinnerlicht, die im Zusammenwirken von individuellem Ausdruck und gemeinsamer Kreativität liegt. So entstand in Zusammenarbeit mit ihrem Mentor und Bassisten Jens Loh sowie dem Produzenten Cornelius Claudio Kreusch ein Jazzalbum jenseits des zwanghaften Experimentieren-Müssens, im besten Sinne ‚old-fashioned‘ und modern zugleich.
Wie vielen Sängerinnen geht es bei LAURA nicht nur um Stimme und Technik, sondern vor allem, um die Kunst, Geschichten zu erzählen. Und so lässt sie auf „Quiet Land“ die Emotionen, Erlebnisse und Begegnungen ihrer bisherigen Karriere Revue passieren, die von den Anfängen in der Stuttgarter Jazzszene (mit dem perfekten Mix von Anne Czichowsky und Fola Dada als Lehrerinnen) über die Berufung in das BundesJazzorchester (BuJazzo) bis zu ihrem Studium in Paris. Das „stille Land“ steht zunächst für die Wurzeln der Heimat, für die solide, bodenständige Basis, die jeder braucht. LAURAs Hommage an ihre Herkunft vom schwäbischen Land umfasst dann aber auch die Inspiration, den Zauber der Großstadt, es geht um eine Reise auf der Suche nach dem eigenen Weg, um das Überwinden aller möglichen Hindernisse. Alles festgehalten in ihren poetischen, eigenen Texten.
Zu den wichtigsten Talenten gehört auch, die richtigen Partner zu finden. So ist „Quiet Land“ wie das Projekt insgesamt nicht zuletzt das Ergebnis der perfekten Zusammenarbeit von LAURA mit dem Bassisten und Komponisten Jens Loh, der unter anderem mit Nils Peter Molvaer, Max Mutzke oder Nils Landgren arbeitete. Was bereits beim Kennenlernen der 25-Jährigen und des 50-Jährigen beginnt. Eher zufällig wurden beide 2017 für einen Club-Auftritt mit einem Chet Baker-Programm zusammengespannt. LAURA hatte Loh bereits mit seiner Band Hippie gesehen und bewundert: „Seine wundervolle Ballade ‚I’ll be around‘ hat mich so berührt, dass ich gleich einen Text darauf geschrieben hatte. Als wir dann für den Gig zusammenkamen, traute ich mich fast nicht, zu fragen, ob ich den verwenden dürfte.“
Ohne es zu wissen, lief Laura damit offene Türen ein. „Mit Hippie spielte ich Funk-Soul-Jazz im Stile von Eddie Harris“, erzählt Loh. „Aber die Stücke, die ich dafür schrieb, wurden immer öfter Songs, von denen ich mir wünschte, dass sie jemand betexten und singen würde. Ich habe das aber nie richtig verfolgt. Umso glücklicher war ich, als LAURA mir vor unserem ersten Auftritt sagte: ‚Jens, es gibt da ein Stück von dir, würde es dir etwas ausmachen, wenn ich dazu einen Text schreiben würde.‘ Darauf hatte ich ja nur gewartet. Und als ich es dann hörte, war ich total begeistert. Das war exakt der Sound, den ich im Kopf hatte. Weil Laura richtig Jazz singen kann, aber auch so etwas Folkiges wie Rickie Lee Jones in der Stimme hat.“
So haben sich zwei gefunden, die sich perfekt ergänzen. Auf „Quiet Land“ ergibt das eine denkbar bunte Kollektion: Vom klassischen Swing mit Saxofon als zweiter Stimme bei „On my Way Home“ und feinem Chanson-Jazz („Jardin Du Luxembourg“ im Stil des von Laura sehr verehrten Michel Legrand und „Même si tu dors“ eher im Nouvelle-Chanson-Modus) bis zu amtlichem Bebop mit Scat-Gesang und Vokalisen („Mr. P´s Blues.“). Und von rasantem Pop („Sassy“) und schwarzem Soulpop („Little Stevie“) über psychedelischen Gitarrenfunk („Speed Of Schall“) und der geheimnisvoll-dramatischen Hymne „S´goed, niet goed“ bis zur melismatischen Ballade „All We Ever Tried“ und dem Titelstück, einem echten „Torch Song“ voller Leidenschaft. Alles freilich geformt vom unverwechselbaren Klang und Ausdruck von LAURAs Stimme. „Wir haben uns über die Musik kennengelernt, wie ich das noch nie mit einem Menschen erlebt habe,“ sagt LAURA über Jens Loh. „Unser ästhetisches Verständnis passt einfach perfekt zusammen,“ gibt Loh das Kompliment zurück.
Die letzten Bausteine für das Debütalbum lieferten Band, Gäste und Produzent. Für die richtigen Töne an Klavier, Keyboards und Orgel sorgt der französische Pianist William Lecomte, ein Bill Evans-Schüler, der mit Jean-Luc Ponty, Vaia Con Dios, Nigel Kennedy und vielen anderen gearbeitet hat. „Wie er einen in seinen Sound einpackt, das ist etwas ganz Besonderes,“ schwärmt LAURA von ihm. Am Schlagzeug legt Eckard Stromer Takt und Tempo vor, der sattelfest in allen Stilen unter anderem mit Cornell Dupree, Ian Anderson oder Randy Brecker spielte. Für die Trompetenparts stieß Joo Kraus dazu, der von Krautrock über Latin und Hip-Hop bis zu Elektro-Jazz ebenfalls alles beherrscht. Weitere gute Freunde aus der Baden-Württemberger Szene fanden sich mit dem Gitarristen Christoph Neuhaus und dem Saxofonisten Markus Harm ein.
Als von LAURA begeisterter Produzent fand sich schließlich der Pianist Cornelius Claudio Kreusch. Zusammen mit seiner Produktionsfirma MUSICJUSTMUSIC® wurde „Quiet Land“ fertig gestellt, Mix und Master stammen vom GRAMMY®- dekorierten New Yorker Toningenieur Ed Reed. Viel kam also zusammen für das souveräne Debüt einer besonderen Stimme, die berührt, mitreißt und begeistert. LAURA liefert mit „Quiet Land“ ein Album ab, das für die Zukunft noch mehr verspricht.
„Remembering“ versteht sich zurecht als Album mit dem Anspruch einige der schönsten Songs der Musikgeschichte auf einer abspielbaren Scheibe zu vereinen. Unvergessene Werke von Bacharach, Charlie Chaplin, Jobim und den Beatles.
Die Arrangements von Enrico Solazzo widmen sich den Originalen mit Pathos und Eleganz, in dem er Melodien und Harmonien einen neuen Anstrich verpasst. Darüber legt sich Sängerin Fabiana Rosciglione, die sich mit warmer und wandelbarer Stimme auf die Spuren musikalischer Erinnerungen macht.
Die Songs, gesungen auf Französisch, Englisch, Portugiesisch und Italienisch werden von einem orchestralen Klangteppich untermalt.
Text: Millesuoni
jazz-fun.de meint:
Die Interpretationen von Fabiana Rosciglione sind sehr feminin, zart und flüchtig. Auf diesem Album finden wir eine Menge guter Musik, hervorragend arrangiert, brillant gespielt und gut gesungen.
Was für ein Gefühl, was für eine Stimme, was für ein musikalisches Highlight! Eigentlich weiß man bei diesem Album nie, welche Zauberkräfte die Zuhörer gerade in die Songs hineinziehen! Es beginnt mit flüchtig hingeklimperten Akkorden, die Stimme schleicht sich fast unbemerkt in die Harmonien – und irgendwann ist man mittendrin. Plötzlich fangen die Songs an zu leuchten, funkeln immer stärker, werden zu rotierenden Musik-Leuchttürmen die ihre Klangkaskaden verschwenderisch durch die Atmosphäre schleudern.
Obwohl Norah Jones seit mehr als 20 Jahren im Geschäft ist, mehrere Nummer-Eins-Alben veröffentlicht, acht Grammys gewonnen und etwa 35 Millionen Tonträger verkauft hat: Immer noch streiten sich weltweit Kritiker, ob das mittlerweile 42-jährige Wunderkind Jazz, Pop oder Adult-Music macht. Dass die vielseitige Ausnahmekünstlerin Ingredienzien unterschiedlichster Genres mit bewundernswerter Treffsicherheit mischt, ist jedoch unbestritten. Also: Wo liegt das Problem? Jones ist einfach eine gigantisch gute Musikerin deren außergewöhnliche Qualitäten auch x-beliebiges Allerweltsmaterial zu perfekten Ohrwürmern veredelt.
Was wäre besser geeignet, das zu beweisen als ein Live-Album – zumal ihre weltweite Fan-Gemeinde die US-amerikanische Pianistin und Sängerin seit Beginn der Corona-Epidemie nur noch aus der Konserve kennt. Okay, natürlich ist ein Live-Album auch eine Konserve – aber trotzdem etwas anderes als Studio-Aufnahmen. Live-Takes kursieren zwar im Internet, ein reguläres Live-Album gab es außer einer EP und vier Konzert-DVDs von ihr noch nicht. So sieht es zumindest die Zählweise der Plattenindustrie.
Schon der Opener (“Cold, Cold Heart” von Hank Williams) ist ein echter Killer. Die einleitenden Klavier-Akkorde und das raue Timbre ihrer unverkennbaren Stimme lassen dem Zuhörer keine Wahl: Hier hilft nur BEGEISTERUNG. Und so geht es weiter. „Begin Again“ jagt auch schwer erregbaren Zeitgenossen eiskalte Schauer über den Rücken, bei „Flipside“ tastet sich Jones von mildem Säuseln über kraftvolle voluminöse Passagen bis hin zu explodierenden Vokal-Ausbrüchen.
Eingebettet sind diese Pretiosen aus den Jahren 2017 bis 2019 in das perfekt arrangierte Instrumental-Korsett langjähriger Begleitmusiker wie Pete Remm (Keyboards, Gitarre), Christopher Thomas (Bass) und Brian Blade (Schlagzeug). Und diese ausgebufften Sidemen wissen, dass hier nur eins gefragt ist: Antizipation. Sie müssen extrem variabel sein – so dass Jones alle Freiheiten nutzen kann. Doch diese Palette nutzt sie selten exzessiv. Es genügt, wenn sie ihre Stimme passgenau an die Harmonien anschmiegt, mit dem Klavier schräge modern-jazz-verdächtige Akkordfunken aufglimmen lässt und dann mit fast schmerzhaften Blue Notes den Sack wieder zu macht. Das sind nicht nur artistische Leistungen, die man staunend bewundern muss, sondern beinahe schon emotionale Großereignisse, die den Zuhörer psychisch aus der Bahn schmeißen können.
So unprätentiös und spielerisch wie Jones in die Songs einsteigt, so unbemerkt schleicht sie sich auch wieder heraus. Meist bleibt ein letzter Hauch, ein bittersüßer Nachgeschmack – man bedauert, dass es schon zu Ende ist, weiß aber nicht warum. So auch bei „I’ve Got To See You Again“ von ihrem 2002er Debut-Album. Die Klavierakkorde hängen wie Nebelschwaden in der Luft, ihre Stimme schwebt darüber, geht filigrane Allianzen ein, die sich in Sekundenbruchteilen wieder verflüchtigen. Manchmal denkt man an Billie Holliday, dann wieder an Bessie Smith – und erkennt aber schließlich: Das kann nur Norah Jones sein.
Bei „I’ll Be Gone“, einem country-angehauchten Kompositions-Kabinettstückchen ihres Keyboarders und Lebensgefährten Peter Remm springt mir fast der Draht aus der Mütze. Das ist pure Magie: Mehr geht nicht!
So könnte ich mich jetzt durch fast jeden Song fabulieren. Aber ich glaube meine Begeisterung kommt auch so ´rüber. Deshalb begnüge ich mich mit dem Abfeiern des letzten Takes: Bei „Black Hole Sun“ von Soundgarden, einem Titel, den sie seit dem Tod des Sängers Chris Cornell im Repertoire hat, glaubt man zuerst: Na ja – das ist doch viel zu weit weg von ihr, ein solches Stück funktioniert bestimmt nicht. Pustekuchen: Auch diesen kantig-eckigen Grunge-Evergreen macht sie sich untertan, lässt ihn so klingen als wäre es ein Song, der nur eine Bestimmung hat – nämlich von ihr gesungen zu werden.
In einem Interview sagte sie einmal: „Ich arbeite einfach gern und wenn etwas fertig ist, bin ich sehr stolz darauf.“ Auf dieses Album kann sie seeeeeehr stolz sein.
Joscho Stephan ist ohne Zweifel ein Weltklasse-Gitarrist, den man vor allem wegen seiner unglaublich virtuosen Solotechnik im Django-Reinhardt-Genre kennt, das er auf ganz eigene und wiedererkennbare Weise interpretiert. Bei allen neuen und frischen Ideen wird er dabei trotzdem mühelos dem Erbe Reinhardts gerecht. Im Duo mit mir zeigt sich Joscho von einer etwas anderen Seite: auch virtuos, aber jazziger, teilweise mit Archtop-Gitarre und auch mal Flattop-Akustikgitarre. Es hat großen Spaß gemacht, die Stücke für unser gemeinsames Album „Sundowner“ zusammen mit ihm in meinem Studio einzuspielen (und bei zwei Stücken dazu zu singen) und alles ging sehr schnell. Der Grund ist, dass wir uns immer (auch wenn wir mal eine zweite Version versucht haben) für den „first take“ entschieden haben. Die Musik besteht zur Hälfte aus neuen, eigenen Kompositionen und aus unseren spontanen Interpretationen bekannter Standards. Wir sind beide froh und stolz auf das neue Album und ich bin sehr glücklich, dass es auch als Vinyl-LP erscheinen wird.